Prokrastination #2: Warum schieben wir Dinge auf?

In diesem Artikel werde ich bis ins letzte Detail auf die Auslöser für Prokrastination eingehen und eine Antwort auf die Frage „Warum schieben wir Dinge auf?“ finden.

Eine ganz lange Zeit habe ich gedacht Prokrastination ist sei eine Art von Charaktereigenschaft und dass ich sie nie loswerden würde. Die gute Nachricht: Es ist nicht mehr und nicht weniger, als eine schlechte Angewohnheit.

„You are not a procrastinator. You have a habit of procrastinating“ – Mel Robbins

Kurz & knapp

Prokrastination hat in den wenigsten Fällen tatsächlich direkt mit der Aufgabe zu tun, die ihr aufschieben wollt. Vielmehr ist es eine Art des Stressabbaus. Dieser Stress kann verschiedene Auslöser haben. Diese können wiederum auf einer schlechten Erfahrung beziehungsweise schmerzhaften Erinnerung basieren, die wir mit einer Aufgabe gemacht haben. Sobald wir wieder vor dieser einen Aufgabe stehen löst das immensen Stress in uns aus und mit diesem können wir meistens nicht umgehen. Um also erneut der schlechten Erfahrung und schmerzhaften Erinnerung zu entgehen schieben wir die Aufgabe auf. Am Ende des Tages können man dann der Prokrastination die „Schuld in die Schuhe schieben“.

Türkise grafik prokrastination

Mehr Details

  • Vom lateinischen Wort procastinare= etwas auf morgen schieben.
  • Vom griechischen Wort akrasia= etwas gegen unsere eigene Vernunft tun.

= Etwas gegen die eigene Vernunft auf morgen schieben 

Dr. Fuschia Sirois (Psychologie Professor an der University of Sheffield) sagt, dass Menschen sich der Prokrastination „hingeben“, da sie nicht fähig sind ihre negativen Gedanken rund um eine Aufgabe zu kontrollieren. Es handelt sich hierbei nicht um eine Charaktereigenschaft oder die Unfähigkeit Zeitmanagement zu betreiben. Sondern ausschließlich um einen Mechanismus mit unseren negativen Gefühlen umzugehen. Sei es Langeweile, Unsicherheit, Selbstzweifel, Angstzustände, etc. Wir wollen diese Gefühle vermeiden und uns wieder gut fühlen. Durch das Aufschieben der Aufgabe erreichen wir das – vermeintlich.

Türkise grafik seek pleasure avoid pain

Exkurs: Wenn man versucht diesen Mechanismus zum Umgang mit negativen Gefühlen auf seinen Kern herunter zu brechen, dann findet man dort auch Sigmund Freud und das „Lustprinzip“. Hierbei unterscheidet er zwischen dem Es, dem Ich und dem Überich. Das Es ist es auch, das sich bei der Prokrastination einmischt. Es wird vom „Lustprinzip“ geleitet. Somit strebt es nach Lustgewinn und nach Vermeidung von Unlust (Auf Englisch klingt das natürlich alles mal wieder viel schönerseek pleasure, avoid pain). Genau das, was auch bei der Prokrastination passiert: man möchte die unschönen Gefühle vermeiden und lieber den schönen Sachen nachgehen.

In den meisten Fällen wird das Es vom Überich (und den dort verankerten Normvorstellungen) und vom Ich (dem Zentrum des bewussten Denkens; Selbstbewusstsein) beeinflusst.

Ein paar Beispiele:

  • Ihr müsst auf der Arbeit eine Präsentation für einen wichtigen Kundentermin erstellen, welche ihr dann selber halten müsst. Das ganze schiebt ihr aber bis auf den letzten Drücker auf. Warum? Der Gedanke an eine Präsentation löst heftigen Stress in euch aus, da es auch an eure letzten misslungenen Präsentationen erinnert für die ihr euch wahnsinnig geschämt habt.
  • Ihr habt für heute Abend ein Workout geplant. Doch ihr schiebt das Training auf bis es zu spät ist und ihr längst im Bett sein solltet. Warum? Der Gedanke an das Workout löst Stress in euch aus, da ihr die letzten Male immer kläglich bei der Hälfte des Trainings aufgeben musstet.
  • Angenommen ihr seid ein klassischer Perfektionist und ihr müsst für eine wichtige Prüfung in der Uni lernen, die ihr -natürlich – mit einer sehr guten Note bestehen wollt. Ihr habt aber so eine immense Angst zu versagen und zum Beispiel eure Eltern zu enttäuschen, die euch immer für euer Potential gelobt haben, sodass ihr das Lernen ewig hinauszögert. Ihr habt Stress, weil ihr immense Angst vor dem Versagen habt. Durch das Aufschieben des Lernens entflieht ihr der Situation (zumindest zweitweiße, bis dann die Prüfung tatsächlich vor der Tür steht)

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Im Endeffekt bewirkt das Aufschieben von Aufgaben nur die zeitweise Bewältigung oder Verdrängung der negativen Gefühle. Ein bisschen ist es wie ein Pflaster auf eine Wunde kleben und nach einer halben Stunde ins Wasser gehen. Dadurch die Wunde sofort wieder freigelegt ist. Die negativen Assoziationen einer Aufgabe gegenüber sind dann immer noch existent und oft kommen noch weitere hinzu: erneuter Stress, ein Knacks am Selbstbewusstsein …

Prokrastination als Belohnung?

Obwohl wir wissen, dass Prokrastination keine dauerhafte Lösung ist, tuen wir es immer und immer wieder. Warum handelt es sich hierbei um einen so teuflischen Kreislauf? Die momentane Erleichterung und Entspannung, die wir spüren, ist quasi die Belohnung für unsere Prokrastination. Unser Gehirn sagt: „Super, du hast prokrastiniert und dafür belohne ich dich mit Entspannung und dem Rückgang des Stresses.“ Aus den Grundzügen der Verhaltensforschung wissen wir, dass man die Dinge wiederholt, für die man belohnt wurde. Wir tuen es immer und immer wieder, da es sich für uns in diesem einem Moment auszahlt. Prokrastination ist deshalb ein Kreislauf und keine einmalige Sache.

Aber keine Angst! ihr könnt diesen Kreislauf durchbrechen…und ich unterstütze euch dabei.

Ich hoffe der Blogpost hat euch einen guten ersten Einblick hinter die Auslöser von Prokrastination gegeben. Hättet ihr gedacht, dass es sich dabei um einen Mechanismus handelt, um mit unseren negativen Gefühlen und Erfahrungen einer Aufgabe gegenüber umzugehen? Lasst es mich in den Kommentaren oder auf Instagram wissen.

signatur xoxo Franziska

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